Presseerklärung

Trotz Verbots: Illegales Holz aus dem Kongo auf deutschem Markt

Hamburg, 13.08.2013 - Erstmals seit Gültigkeit der neuen EU-Holzverordnung hat Greenpeace eine Holzlieferung aus der Demokratischen Republik Kongo in Deutschland aufgespürt, die allen Anzeichen nach illegal ist. Aktivisten hatten das Wenge-Holz (Millettia laurentii), eine bedrohte tropische Holzart, am 1. August in einem Sägewerk in Gütersloh entdeckt. Greenpeace zeigte dies der zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) an und bat diese, tätig zu werden.

„Wir haben hier einen Präzedenzfall, ob die Umsetzung der EU-Holzverordnung wirksam ist“, sagt Andrea Cederquist, Waldexpertin von Greenpeace. „Illegaler Holzeinschlag, Korruption und Gewalttaten sind gängige Praxis der internationalen Holzmafia. Es muss sichergestellt werden, dass illegal vergebene Lizenzen und Konzessionen bei Prüfung durch europäische Behörden von diesen erkannt und erfasst werden.“

Die Hölzer sind Teil einer Lieferung von etwa 200 Kubikmetern Wenge, die am 24. April im Hafen von Antwerpen entladen wurde. Greenpeace hatte auch dort sofort die zuständige Behörde informiert. (Zur Chronologie) Die Wenge-Stämme tragen die Markierung der kongolesischen Firma Bakri Bois Corporation (BBC). Sie stammen von einer Konzession in der Provinz Equateur/DR Kongo. Die unabhängige EU-finanzierte Organisation REM (Resource Extraction Monitoring) kritisierte im November 2012, BBC habe den Konzessionsvertrag für das Holz unrechtmäßig erhalten. Weitere Vorwürfe lauteten: falsche Holzmarkierungen, Nicht-Erfüllung der Verträge mit der lokalen Bevölkerung (Cahier de charge), Umweltverschmutzung und Einschlag von Wenge-Holz ohne Genehmigung. Ein Greenpeace-Team war im Juni 2013 mit den Organisationen Global Witness und Réseau Ressources Naturelles (RRN) vor Ort und konnte diese Vorwürfe bestätigen.

Neue Holzgesetze bilden Einfalltor für illegale Importe

Es ist verboten, Holz(-erzeugnisse) aus illegalem Einschlag in die EU bzw. in Deutschland auf den Markt zu bringen. Das regelt die neue EU-Holzhandelsverordnung EUTR von März 2013 und das zeitgleich aktualisierte deutsche Holzhandels-Sicherungsgesetz HolzSiG. „In der Praxis haben die Behörden kaum Kontroll-, geschweige denn wirksame Sanktionsmöglichkeiten“, sagt Cederquist. Das neue Gesetz weist zwar ausdrücklich darauf hin, dass der ordnungspolitische Rahmen in den Herkunftländern, zum Beispiel ein Indikator wie Korruption, berücksichtigt werden muss. Doch der aktuelle Fall zeigt, wie anfällig der EU-Markt immer noch für die Einfuhr von illegalen Hölzern ist und wie wichtig die Zusammenarbeit der Behörden in Europa.

Wenge zählt zu den edelsten Hölzern der Welt und wird zum Beispiel zu Türen, Treppen und Parkett verarbeitet. Die DR Kongo hat ein massives Problem mit illegalem Holzeinschlag – zu Lasten der lokalen Bevölkerung. Deren traditionelle Lebensweise beruht auf ökologisch intakten Wäldern. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen den Gemeinden und der Holzindustrie, die vor Gewaltverbrechen nicht zurückschreckt. Die Holzfirmen umgehen das seit 2002 geltende Einschlagsmoratorium unter anderem mit nicht rechtmäßigen Genehmigungen, um sich Zugriff auf gefährdete Arten wie Wenge zu verschaffen und diese lukrativ zu exportieren.

Mehr dazu bei Greenpeace:

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Schätzungen zufolge stammen zwischen 16 und 19 Prozent der Holz- und Papierimporte in die Europäische Union aus illegalen Quellen.Obwohl ein Gesetz die Einfuhr verhindern soll.

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