Landwirtschaft und Klima

Mit steigenden Durchschnittstemperaturen, Extremwetter, Stürmen, Überschwemmungen und langen Trockenzeiten setzt der Klimawandel der Landwirtschaft weltweit zu. Gleichzeitig trägt die industrialisierte Landwirtschaft erheblich zur Erderwärmung bei. Sie ist für etwa ein Drittel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Die Folgen fallen auch auf die Bauern zurück.
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CO2-Emissionen aus Waldrodung und Moornutzung

Für Ackerland werden Waldflächen abgeholzt und dadurch riesige Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzt: Neben dem Holz speichert auch der darunterliegende Boden Kohlenstoff. Außerdem hat Ackerboden einen deutlich geringeren Anteil an Humus und damit an Kohlenstoff als Wald und Dauergrünland. Durch die Ackernutzung verringert sich also der Kohlenstoffgehalt im Boden, CO2 wird freigesetzt. Besonders problematisch ist die Ackernutzung von ehemaligen Feuchtwäldern oder Mooren – auch in Deutschland. Der Humus wird kalt verbrannt und dadurch aufgezehrt.

Die steigende Nachfrage nach sogenanntem Biosprit verschärft das Problem. In Indonesien und Südamerika werden immer mehr Flächen umgewandelt, um Agrospritpflanzen anzubauen, Soja und Ölpalmen. Auch in Deutschland folgen immer mehr Landwirte dem profitablen Trend. Von den 12 Millionen Hektar vorhandener Ackerfläche - 33 Prozent der Landesfläche – dienen 2012 rund 2 Millionen Hektar dem Anbau von Pflanzen für Treibstoff und Biogas. Knapp eine Million Hektar entfallen dabei auf den Rapsanbau.

Lachgas und Methan

Lachgas ist ein besonders langlebiges Klimagas, das sich im Schnitt erst nach 114 Jahren abbaut und 300-mal so klimaschädlich ist wie CO2. Vor allem beim Einsatz von Stickstoffdünger und Dung aus der Tierhaltung wird es freigesetzt. In den letzten 50 Jahren hat sich der Mineralstickstoffeinsatz weltweit verachtfacht, proportional dazu ist die Lachgas-Konzentration in der Atmosphäre gestiegen. Ob aus der Tierhaltung oder von Mineraldünger, wenn zu viel löslicher Dünger zur falschen Zeit oder mit schlechter Technik (z. B. Gülle mit Prallteller) ausgebracht wird, können Nutzpflanzen den Stickstoff nicht aufnehmen. Er versickert ins Grundwasser, wird durch Erosion abgetragen, überdüngt Flüsse, Seen und Meere oder belastet die Atmosphäre in Form von Ammoniak und Lachgas.

Die Rinderhaltung und der Feuchtreisanbau in asiatischen Ländern erzeugen Methan. Das Treibhausgas ist etwa 21-mal so wirksam wie CO2, baut sich aber bereits nach rund zehn Jahren ab. Methan entsteht durch Pansenbakterien im Magen von Wiederkäuern (Rindern, Schafen, Ziegen). Regional, beispielsweise in Brasilien, hat die Rinderhaltung stark zugenommen. Daher steigt parallel der Methangehalt in der Atmosphäre weiter an.

Ernteschäden, Bodenverlust, Wassermangel

Vermehrte Witterungsextreme wie Dürre, Starkregen oder Wirbelstürme führen zu Ernteschäden und -ausfällen. Der steigende Meeresspiegel überflutet niedrig gelegene landwirtschaftliche Nutzflächen. Betroffen sind vor allem die dicht besiedelten küstennahen Kornkammern vieler Länder. Weite Teile von Bangladesch oder Flussdeltas wie am Nil versalzen und werden für die Lebensmittelerzeugung unbrauchbar. Durch den Rückgang der Gletscher verschlechtert sich außerdem die Wasserversorgung vieler Landstriche, so zum Beispiel am Fuße des Himalayas und der Anden.

Klimawandel und wachsende Bevölkerung in den Städten schüren Nutzungskonflikte zwischen Stadt und Land (Spanien, Australien, ehemalige Sowjetunion). Vor allem die Tropen und Subtropen, von Mexiko bis nach Nord-Argentinien, Indien, der Süden von China und der gesamte afrikanische Kontinent sind vom Klimawandel gefährdet. In diesen Gebieten liegen die ärmsten Länder der Welt, zusätzlich wächst dort die Bevölkerung besonders schnell. In Nordafrika werden die Wasserressourcen bereits fast vollständig – zu 95 Prozent – genutzt. Und die Nachfrage steigt bis 2025 noch weiter an. Daher werden massive Wasserzuflüsse aus anderen Regionen nötig sein. Auch in einigen Ländern Asiens nimmt der Wasserverbrauch in Landwirtschaft und Industrie stark zu, und mit ihm die Nutzungskonflikte um die kostbare Ressource.

Quelle: "Was wollen wir essen? Gift und Gentechnik – nein danke!" von Greenpeace; Stand: Oktober 2012

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