Der Ökolandbau ist die Antwort auf die industrielle Landwirtschaft

Nachhaltige Landwirtschaft: Vielfalt statt Einfalt

Wollsocken- und Vollbartklischee sind abgelegt. Und mittlerweile ist selbst "Alles weltfremde Spinner" selten zu hören. Zu Recht, denn die ökologische Landwirtschaft fußt auf knallharter Wissenschaft, empirischen Erfahrungen - und dem Wunsch, die Welt besser zu machen.
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In Deutschland entwickelte sich der ökologische Landbau im zwanzigsten Jahrhundert als Antwort auf die industrielle Landwirtschaft, die zunehmend Probleme generierte. Sein Ziel: umweltschonend und tiergerecht gesunde Lebensmittel zu produzieren.

Die Grundidee ist entwaffnend einfach, nämlich - eng orientiert am Vorbild Natur - so zu wirtschaften, dass die eigenen Ressourcen reichen. Konkret bedeutet dieser Kreislaufgedanke, dass Ackerbau und Tierhaltung aufeinander abgestimmt sein müssen. Dass also nur so viele Tiere gehalten werden, wie der Betrieb über eigene Futtermittel ernähren kann. Und ebenso muss die Menge des Tierdungs, der als Dünger eingesetzt wird, an den Nährstoffbedarf der Ackerflächen angepasst sein.

Öko-Landbau: Was läuft anders?

Düngung: Neben Stallmist setzen Öko-Landwirte zur Düngung Pflanzen ein, die Stickstoff aus der Luft in die Erde bringen - die Leguminosen wie Erbsen, Bohnen oder Luzerne. Dabei geht es darum, die Qualität des Bodens - die Bodenfruchtbarkeit - zu verbessern, um darüber die Erträge zu erhöhen. Im konventionellen Landbau hingegen soll synthetischer Stickstoffdünger in erster Linie die Pflanze versorgen. Eine enegieintensive Angelegenheit - die Herstellung des künstlichen Düngers verschlingt einen großen Teil des Energiebedarfs konventioneller Betriebe und verursacht hohe CO2-Emissionen.

Fruchtwechsel: Ein weiterer Unterschied besteht im Fruchtwechsel: Im konventionellen Landbau ist dieser stark eingeschränkt und wird im Extremfall gar nicht durchgeführt. Die Böden verlieren so mit den Nährstoffen an Fruchtbarkeit. Der Ökolandbau setzt stattdessen auch hier auf Vielfältigkeit und wechselt die Kulturarten auf einer Fläche häufig. So folgt zum Beispiel auf Kartoffel die Zuckerrübe und dann der Roggen. Das schont die Böden und laugt sie nicht aus. Eine durchdachte Fruchtfolge sorgt neben der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit dafür, Schädlinge und Unkräuter in Schacht zu halten.

Pestizide: Der Maiszünsler beispielsweise hat es - wie der Name bereits vermuten lässt - auf Mais abgesehen. Wächst aber stattdessen Weizen auf dem Acker, hat er keine Chance, sich auszubreiten. Unkräuter können sich schwerer durchsetzen, wenn zwischendurch Gemüsearten angebaut werden, die Unkräuter unterdrücken. Reine Getreidefruchtfolgen dagegen begünstigen die Ausbreitung unerwünschter Gräser. Und Sommerunkräutern kann mit dem Anbau von Winterungen begegnet werden. Zusammen mit einer mechanischen Unkrautregulierung ist so der Verzicht auf chemische Pestizide möglich.

Vielfalt: Im Ökolandbau ist auch keineswegs jede Wildpflanze ein Feind. Wer sich schon einmal über Sonnenblumen am Ackerrand gewundert haben sollte: Diese sind - wie auch andere Blumen - dazu da, Nützlinge anzuziehen und Ökosysteme zu stabilisieren.

Tierhaltung: Zu den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft zählt auch, die möglichst artgerechte Tierhaltung. Dazu gehören mehr Platz, regelmäßiger Auslauf und besseres Futter. Futter, das allein auf Mast und Leistung ausgerichtet ist, ist ebenso verboten wie beispielsweise die Käfighaltung für Legehennen oder Vollspaltenböden für Schweine. Diese Haltung lässt die Tiere weniger krank werden. Die prophylaktische Gabe von Medikamenten wie Antibiotika an alle Tiere über das Futter ist in Ökobetrieben nicht zulässig. Werden Tiere krank, werden sie einzeln behandelt. Dadurch werden Böden und Gewässer nicht mit Medikamenten verunreinigt und auch die Gefahr der Resistenzbildung bei Krankheitserregern ist geringer.

Gentechnik: Und last but not least sind Öko-Landwirtschaft und Gen-Pflanzen unvereinbar. Die Gentechnikindustrie produziert wenige Hochertragssorten - meist für die Fütterung von Tieren, die unter enormem Pestizideinsatz angebaut werden. Der Öko-Betrieb setzt auf robuste Sorten und auf die Vielfalt. Denn nur eine Vielfalt an genetischen Ressourcen ermöglicht die Züchtung neuer Sorten, die den vielfältigen zukünftigen Anforderungen gewachsen sind.

Gut für Mensch und Umwelt

Durch diese Art des Wirtschaftens bleibt guter Boden für die Produktion unserer Lebensmittel auch für künftige Generationen erhalten. Trinkwasser und Gewässer werden nicht belastet, die Meere nicht überdüngt. Ökolandbau schützt die Artenvielfalt und produziert gesunde Lebensmittel ohne giftige Rückstände. Die Klimabilanz ist gegenüber konventioneller Landwirtschaft deutlich besser. In einem Report hat Greenpeace aufgezeigt, wie durch den ökologischen Umbau der Landwirtschaft der CO2-Ausstoß massiv gesenkt werden kann.

Kann Öko-Landbau die Welt ernähren?

Ja! Langfristig kann sogar nur eine nachhaltige Landwirtschaft die Welternährung sicherstellen. Denn die industrialisierte Landwirtschaft lebt über ihre Verhältnisse: Ressourcen wie Böden werden - um hohe Erträge zu erzielen - so strapaziert, dass fruchtbare Ackerflächen zerstört werden. Ein System, dass sich nicht lange aufrecht erhalten lässt.

Die ökologische Landwirtschaft mag zwar in den Industrieländern geringere Erträge liefern als die konventionelle, doch hier besteht noch Steigerungspotenzial. Und in den Ländern des Südens sieht es sowieso anders aus: Die Erfahrung zeigt hier, dass mit Ökolandbau gleich oder sogar höhere Erträge zu erzielen sind. Das ist nicht verwunderlich, denn die ökologische Bearbeitung des Bodens erhält die Bodenfruchtbarkeit, verringert die Erosion und erhöht die Wasserspeicherkapazität. Eigenschaften, die an schwierigen Standorten wie in großen Teilen Afrikas zu besseren Ernten führen.

Doch eines ist auch klar: Solange wir weltweit ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wegschmeißen, mit 150 Millionen Tonnen Getreide im Tank über die Straßen jagen und in den Industrieländern 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr verspeisen, werden wir das Hungerproblem nicht lösen. Wir müssen umdenken!

Zum Weiterlesen: Was unsere Arbeit für eine Landwirtschaft ohne Gift und Gentechnik bewirkt, erfahren Sie in Greenpeace-Erfolge für gesünderes Essen.

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