Nachhaltige Fischerei - Was versteht Greenpeace darunter?

Die Weltmeere sind dramatisch überfischt. Um das Nahrungsmittel Fisch für heutige und nachfolgende Generationen zu sichern, brauchen wir ein weltweites Netzwerk großflächiger Meeresschutzgebiete und ein nachhaltiges Fischereimanagement. Die Greenpeace-Anforderungen an eine nachhaltige Fischerei basieren auf dem Leitfaden „Code of Conduct for Responsible Fisheries“ der Welternährungsorganisation FAO. Eine Zusammenfassung mit Beispielen:
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Eine nachhaltige Fischerei ...

1. ... folgt einer ökologischen Sichtweise:

Grundlage jedes Fischereimanagement sollte das so genannte Vorsorgeprinzip sein: Das bedeutet, dass vorsorglich alle denkbaren Risiken für den Fischbestand, für das Ökosystem und die Meeresumwelt vermieden werden – anstatt später zu versuchen, einen Schaden zu reparieren, wenn es dafür vielleicht schon zu spät ist.

Ein wesentliches Ziel ist die Einrichtung von Meeresschutzgebieten, wo Fischerei und alle weiteren schädigenden Eingriffe des Menschen tabu sind. In Schutzgebieten regiert die Natur allein und erhält die Chance, wieder in Balance zu kommen, hier können sich ausgebeutete Fischbestände regenerieren.

Fangquoten müssen grundsätzlich auf wissenschaftlichen Empfehlungen basieren. Wenn für ein Gebiet keine ausreichenden Informationen vorliegen, muss die Fischerei hier auf ein Minimum reduziert werden.

2. ... schützt besonders sensible Lebensräume und Arten:

Dazu gehören die Tiefsee mit ihren artenreichen Tiefseebergen, Korallen- und Steinriffe, Aufzuchtgebiete, die "Kinderstuben" der Meerestiere, außerdem alle Meeresbewohner, die laut der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft wurden.

3. ... belässt alle Speisefischbestände in einem "gesundem" Zustand:

Ein Bestand ist gesund, wenn er langfristig stabil bleibt und sich nach Befischung wieder regeneriert. Das ist speziell wichtig bei Fischarten, die nur langsam wachsen und die spät oder nur wenig Nachwuchs bekommen.

4. ... fischt mit selektiven Fangmethoden:

Selektiver Fischfang bedeutet, dass der Fischer gezielt nur diejenigen Meerestiere erbeutet, auf die er es abgesehen hat. Zu kleine Jungtiere oder unverkäufliche Meerestiere dürfen nicht im Netz oder am Haken landen.

Eine selektive Methode ist zum Beispiel der Fang mit Handleinen oder per Rute und Leine, da ein Angler permanent die Kontrolle über seinen Fang behält. Auf einem Boot können mehrere Angler gemeinsam arbeiten. Auch mit Fangkörben am Meeresgrund wird gezielt Beute gemacht, zum Beispiel Langusten, Hummer und Taschenkrebse.

Fanggeräte, die viel Beifang erzeugen – mehr als zehn Prozent des Gesamtfangs –, müssen verboten werden. Dazu zählen Grundschleppnetze, Langleinen (bis zu 100 Kilometer lang mit Tausenden Köderhaken), Ringwadennetze mit Fischsammlern (schwimmende Plattformen, unter denen Fische Schutz suchen), Gift und Dynamit.

Wenn Fischer sinnlosen Beifang produzieren, müssen sie wenigstens sinnvoll damit umgehen: Tiere, die schwer verletzt oder tot sind, dürfen nicht zurück ins Meer geworfen werden. Nur wenn der gesamte Fang angelandet wird, kann alles korrekt dokumentiert werden und auf die Fangquoten angerechnet werden. Wichtig ist auch, dass Fischer ihre Netze im Auge behalten, dass sie nichts auf See verlieren. Umhertreibende „Geisternetze“ fordern weitere vollkommen unnötige Opfer.

5. ... bewahrt die Artenvielfalt im Meer:

Um dies zu kontrollieren, muss das Fischereimanagement ein regelmäßiges und langfristiges Monitoring der verschiedenen Ökosysteme gewährleisten. Wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt ist, zum Beispiel, dass die natürliche Balance zwischen Räubern und Beutetieren im Meer gewahrt bleibt.

6. ... schont die Umwelt im Ganzen:

Nachhaltige Fangmethoden sind nicht alles – ein umweltfreundlicher Fischer geht sparsam mit Treibstoff, Energie und seinen Materialien um, er vermeidet den Einsatz von Chemikalien, produziert so wenig Müll wie möglich und entsorgt Abfälle und Abwässer ordnungsgemäß an Land.

7. ... arbeitet verantwortungsbewusst, sozial und ökonomisch gerecht:

Hier ist die Liste der Kriterien lang:

Ein verantwortungsbewusster, sozial und ökonomisch gerechter Fischer hält sich an lokale, nationale und internationale Regeln – zum Schutz der Meere und seiner Mitarbeiter. Fischer, die sich nicht an die Regeln halten, meldet er den Behörden.

Er unterstützt das Fischereimanagement, indem er seinen gesamten Fang und weitere Daten korrekt übermittelt.

Er beachtet die Auswirkungen seiner Fischerei auf andere Interessengruppen – zum Beispiel berücksichtigt er die Bedürfnisse der Bevölkerung ärmerer Länder, die vom Fischfang wirtschaftlich abhängig sind und Fisch als Grundnahrung benötigen.

Er achtet die Menschenrechte und Arbeitsrechte auf Grundlage der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), er beschäftigt nach Möglichkeit Menschen aus der Region, achtet auf die Gesundheit und Sicherheit seiner Besatzung und zahlt faire Löhne.

8. ... ist transparent:

Vom Fang bis zur Anlandung der Fische oder bis zu ihrem Verkauf spielt der Fischer mit offenen Karten. Er gibt Auskunft über das Fanggebiet, die Fangmethode und Fangmenge.

Kurzinfo: Überfischung

Lange Zeit galten die Fischbestände in den unendlichen Weiten der Meere als unerschöpfliche Reichtümer. Doch seit industrielle, hochmodern ausgestattete Fangflotten die Ozeane plündern, schrumpfen die Bestände dramatisch.

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