Bildung für nachhaltige Entwicklung

Greenpeace setzt sich aktiv dafür ein, Bildung für nachhaltige Entwicklung fest im Lehrplan zu verankern. Neben Informationen zu unserer Bündnisarbeit stellen wir Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte und Erzieher*innen zur Verfügung.
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Schon 1992 rief die erste globale Umweltkonferenz im brasilianischen Rio de Janeiro die Menschen in aller Welt auf, ihre nicht-nachhaltigen Konsummuster zu verändern. Seitdem ist viel passiert: Auf allen Kontinenten haben sich Gruppen gegründet, die Umweltskandale aufdecken und Strategien für eine ressourcenschonendere Lebensweise entwickelten. Aber trotzdem schreitet der Klimawandel voran, es sterben immer mehr Tierarten aus, die Meere werden geplündert und die Böden gehen kaputt.
Ändern lassen sich diese Missstände zum einen durch politische Vorgaben, zum anderen durch das Konsumverhalten der Verbraucher. Wer dafür sorgen will, dass sie erst gar nicht entstehen, muss bei der Bildung ansetzen. In Kitas und Schulen können Kinder schon früh Nachhaltigkeit erlernen.
Deshalb plädiert Greenpeace dafür, Bildung für nachhaltige Entwicklung fest im Lehrplan zu verankern, und erarbeitet für Lehrkräfte und Erzieher*innen Unterrichtsmaterialien sowie einen Newsletter. Die Umsetzung des Greenpeace-Engagements für Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt an vier Ebenen an:

  1. Politische Teilhabe
  2. Wissenschaftliche Analyse
  3. Materialien für die Praxis
  4. Projekte und Kampagnen

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wird bei der UNESCO folgendermaßen definiert: 

Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen oder in anderen Erdteilen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie ich konsumiere, welche Fortbewegungsmittel ich nutze oder welche und wie viel Energie ich verbrauche? Welche globalen Mechanismen führen zu Konflikten, Terror und Flucht? Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

1. Politische Teilhabe

Weltweit stehen wir vor großen Herausforderungen - Millionen von Menschen auf der Flucht, Armut, Klimawandel, Artenschwund, Umweltverschmutzung. Bildung ist ein zentraler Schlüssel, um hierfür gemeinsam Lösungen und Perspektiven zu entwickeln und so nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft zu verankern. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) muss daher in Deutschland stärker etabliert werden und „in die Breite kommen“. Es braucht eine verbindliche und überzeugende strukturelle Verankerung, gelungene politische Rahmenbedingungen und Verknüpfung von politischen Prozessen, Unterstützung der Lehr- und Fachkräfte, qualitativ hochwertige Angebote, Einbindung von Forschung und Hochschule, echte Jugendbeteiligung und finanzielle Förderung von relevanten Netzwerken. Hierfür haben wir mit den Bündnispartnern BUND, BUNDJugend, Germanwatch, GEW, Innowego, NAJU, Oxfam, Welthungerhilfe und WWF das Bündnis ZukunftsBildung ins Leben gerufen (Sprecher: Thomas Hohn). In einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin und verschiedene Ministerien sind die Forderungen und Ziele der Bündnispartner benannt, wodurch das „Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland umgesetzt werden kann.

Seit September 2015 ist Greenpeace über das Bündnis ZukunftsBildung (Dietmar Kress) in der „Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit Mitgliedern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vertreten. In diesem Gremium soll über die Umsetzung es Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ entschieden werden. In parallel stattfinden Fachforen (Frühkindliche Bildung, Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, informelles und non-formales Lernen/Jugend und Kommunen) wird die konkrete Umsetzung erarbeitet.

2. Wissenschaftliche Analyse

Ob und wie Nachhaltigkeitsbildung bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland ankommt, erforscht Greenpeace seit 2012. Das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2015 liefert nach 2012 nun zum zweiten Mal eine umfassende Bestandsaufnahme darüber wie die jüngere Generation in Deutschland zu Nachhaltigkeit steht. Die Studie zeigt eindrücklich, dass nachhaltige Entwicklung die jüngere Generation bewegt. Die dahinterstehenden Prinzipien werden breit befürwortet: Schutz der Umwelt, soziale Aspekte und zukunftsorientiertes Wirtschaften werden kaum noch als voneinander getrennte konkurrierende Bereiche wahrgenommen. Eine breite Diskussion über das Für und Wider wird kaum mehr geführt, es geht eigentlich nur noch um die Art und Weise der Umsetzung. Die Idee der Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und darüber hinaus: die jüngere Generation verlangt viel mehr Engagement und Umsteuern als die Älteren und sind bereit daran selbst mitzuwirken. Insofern formulieren sie auch die Forderung nach deutlicheren Transformationen und einem Ende der kleinteiligen Justierungen und dem »Weiter so!«.

3. Materialien für die Praxis

Mit dem Bildungsmaterial möchte Greenpeace den respektvollen, nachhaltigen Umgang mit unseren Lebengrundlagen vermitteln. Solidarität und Mitverantwortung sind nur zwei der wichtigen Kernkompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung. Kinder- und Jugendliche sollen neben dem Erkennen und Bewerten von Umweltproblemen durch die Arbeitsvorschläge auch Anregungen zum aktiven Mitgestalten erhalten: Sie erleben, dass sie selber etwas bewirken können. So wird das Verhältnis „Global denken, lokal handeln“ (be)greifbar gemacht.

Das Material nimmt dabei Ereignisse auf, die über einen längeren Zeitraum in den Medien auftauchen, z.B. Ölunglücke, Lebensmittelskandale, Energiewende oder Atomkraft – Themen, die die Schülerinnen und Schüler beschäftigen. Eine besondere Stärke von Greenpeace ist es, dass wir Schulmaterial zur Verfügung stellen, dass innerhalb weniger Wochen nach einem bestimmten Ereignis für den Gebrauch geeignet ist.

Als konkrete Umsetzung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Hochschulen und Weiterbildungsinstitutionen sei hier das Lehrer*innen-Bildungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung LeNa (Deutschland, Österreich, Schweiz) empfohlen. Sie finden dort didaktische und methodische Hinweise, sowie die Ziele für die nachhaltigkeitsbezogene Lehrer*innenbildung.

Ein empfehlenswerter Überblick für pädagogische Praktiker*innen findet sich unter globaleslernen.de. Hier finden Sie umfassende Materialien zu Flucht, Migration, Tourismus, Ressourcenverbrauch und vieles mehr.

Wie sehen die Anstrengungen weltweit in Sachen Nachhaltigkeitsbildung aus? Eine erste Übersicht finden Sie beim UNESCO – Weltaktionsprogramm.

Die Broschüre "Kooperieren - aber wie? Nachhaltigkeit in Kirchen, Religionsgemeinschaften und Kommunen" gibt einen guten Einstieg über Kooperationen im lokalen Bereich, der Religionsgemeinschaften und vielen Agenda 21 Projekte aus der ersten Dekade des Weltaktionsprogramms für nachhaltige Bildung (2005-2014).

Für alle Materialien sind unter anderen folgende Punkte wesentlich:

  • Menschen zu ermächtigen, sich selbst und ihre Gesellschaft zu verändern
  • eine stärkere Wahrnehmung und Sensibilität für das Verhältnis von Mensch und Natur,
  • die Bereitschaft, Befähigung und Raum zur Beteiligung an der Gestaltung des unmittelbaren Umfelds im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu ermöglichen,
  • die Befähigung zur Auseinandersetzung mit Schlüsselproblemen für eine nachhaltige Entwicklung und im Zusammenhang damit zu komplexem und systematischem Denken und aktivem Mitgestalten von Lehr- und Lernräumen,
  • die Offenheit für kulturelle Vielfalt und die Entwicklung einer „global citizenship“

4. Projekte und Kampagnen

Selbstwirksamkeit ist das Stichwort, welches allerorten gebraucht wird, wenn es darum geht zu erklären, wann sich Menschen gerne engagieren. Greenpeace bietet seit seiner Gründung 1980 Menschen die Möglichkeit, sich direkt bei Greenpeace in Gruppen und in Kampagnen zu engagieren. Seit 1990 haben Kinder und Jugendliche die spezielle Möglichkeit, sich in Greenteams zu allen Umweltthemen zu engagieren und seit 1999 in Jugend-AGs innerhalb der Greenpeace-Themen (Ansprechpartner: Peter Herbster). Greenpeace lebt vom Mitmachen.

Die direkte Teilnahme an Aktionen, die partizipative Willensbildung zu aktuellen Herausforderungen des Umweltschutzes sowie konkrete Forderungen an Bürgermeister*innen, Ministerien, oder politisch Verantwortlichen zu adressieren ist Ziel und Zweck der Greenpeace-Arbeit. Hinzu kommen die Projekte und Kampagnen zu Firmen, aber auch dem eigenen Konsumverhalten.

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